Einwandbehandlung am Telefon: neun Einwände und was du sagen kannst
Fast jedes Akquise-Gespräch kippt an derselben Stelle: beim ersten Widerspruch. Wer dafür eine Reihenfolge hat, muss sich nichts ausdenken, während der andere schon nach dem Auflegeknopf sucht.
Einwand oder Vorwand?
Ein Einwand ist ein echtes Hindernis: Der Preis passt nicht, die Zuständigkeit liegt woanders, der Zeitpunkt ist schlecht. Ein Vorwand ist eine höfliche Art, das Gespräch zu beenden. Beides klingt am Telefon fast gleich — der Unterschied zeigt sich erst, wenn du nachfragst.
Deshalb ist die erste Reaktion auf einen Einwand nie ein Gegenargument, sondern eine Frage. Wer sofort argumentiert, argumentiert oft gegen etwas, das gar nicht das Problem ist.
Das Grundmuster in drei Schritten
- Anerkennen. Ein Satz, der zeigt: Ich habe verstanden, was du sagst. Kein „aber“.
- Öffnen. Eine Frage, die den echten Grund sichtbar macht — oder den Vorwand entlarvt.
- Zurückführen. Zurück zum Ziel des Anrufs, meistens mit zwei Terminvorschlägen.
Alle Antworten weiter unten folgen genau diesem Muster. Wenn du dir nur eine Sache merkst, dann diese Reihenfolge — die Formulierungen kannst du dir danach selbst bauen.
Neun Einwände und was du sagen kannst
Die Antworten sind Vorlagen, keine Skripte zum Ablesen. Sag sie einmal laut und ändere alles, was sich in deinem Mund falsch anfühlt.
„Kein Interesse“
„Verstehe, Herr Schulze. Darf ich Sie trotzdem um eine Sache bitten? Wenn Sie sich das nächste Mal mit dem Thema beschäftigen, dürfte ich der Erste sein, mit dem Sie darüber sprechen? Und damit Sie dann schon etwas gesehen haben: Was müsste grundsätzlich passieren, damit es für Sie interessant wird?“
Kein Widerspruch. Eine kleine Bitte, die kaum jemand ablehnt, und danach die Frage nach der Bedingung.
„Keine Zeit“
„Verstehe, Sie sind mitten drin. Vermutlich sagen Sie das immer, wenn unklar ist, ob sich ein Gespräch lohnt, richtig? Dann machen wir es anders: Wann passt es Ihnen besser, heute Nachmittag gegen 16 Uhr oder morgen früh um 9?“
Erst den echten Grund benennen, dann keinen Termin erbitten, sondern zwei zur Auswahl stellen.
„Ich muss mit meinem Partner sprechen“
„Völlig verständlich. Verraten Sie mir, worüber genau Sie mit ihm sprechen wollen? Dann gebe ich Ihnen die passenden Unterlagen dafür mit. Und was spielt bei der Entscheidung für Sie beide die größte Rolle: das Ergebnis, die Umsetzung oder die Kosten?“
Bringt ans Licht, worum es wirklich geht, und macht aus dem Einwand einen konkreten nächsten Schritt.
„Schicken Sie mir Infos zu“
„Mache ich, an welche Adresse darf ich das schicken? Damit nur das Relevante drinsteht: Was interessiert Sie am meisten? Und bis wann haben Sie draufgeschaut, sodass Sie mir sagen können, was Ihnen daran gefällt?“
Unterlagen ohne festen Rückruftermin sind verschenkt. Deshalb sofort Inhalt und Datum klären.
„Ich melde mich wieder“
„Herr Schulze, lassen Sie uns kurz ehrlich sein. Wenn jemand das sagt, höre ich meistens nie wieder etwas. In den meisten Fällen liegt es am Angebot oder man will nur höflich sein. Sind Sie gerade einfach zu höflich, mir abzusagen?“
Bringt die Wahrheit auf den Tisch. Danach kannst du den echten Einwand behandeln statt einer Vertröstung.
„Wir sind schon versorgt“
„Gut, dann machen Sie einiges richtig. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wo stehen Sie mit dem, was Sie heute bekommen? Bei einer 10 oder eher bei einer 6 bis 7, also läuft, könnte aber besser sein? Und was genau wäre diese eine Sache, die besser laufen könnte?“
Nicht gegen den bestehenden Partner reden. Die Lücke soll er selbst benennen.
„Ich muss darüber nachdenken“
„Natürlich müssen Sie das. Ich habe Ihnen ja noch gar nicht genug gegeben, um sich keine Gedanken machen zu müssen. Lassen Sie mich drei kurze Fragen stellen, damit Sie heute Abend wirklich etwas haben, worüber sich nachdenken lohnt. Klingt das nach einem Plan?“
Verhindert, dass aus „Gedanken machen“ ein Nie-wieder-Melden wird.
„Das ist zu teuer“
„Darf ich fragen, was Sie genau meinen, den Preis oder die Kosten? Der Preis ist einmalig, die Kosten laufen weiter. Und mal ganz abgesehen vom Preis: Was wäre Ihnen sonst noch wichtig, damit sich die Entscheidung richtig anfühlt?“
Preis nie verteidigen. Erst die Bezugsgröße klären, dann vom Preis zum Wert führen.
„Wir haben kein Budget“
„Das höre ich öfter, und meistens ist es eine Frage der Priorität, nicht des Geldes. Sagen Sie mir ehrlich: Ist es teurer, jetzt zu investieren und das Problem zu lösen, oder nichts zu ändern und es weiter jeden Monat mitzuschleppen?“
Stellt die Kosten des Nichtstuns daneben. Danach über Raten oder einen kleineren Einstieg sprechen.
Was du besser sein lässt
- Mit „Ja, aber …“ antworten. Das „aber“ löscht alles, was davor stand.
- Den Preis verteidigen. Solange der Wert nicht klar ist, ist jeder Preis zu hoch.
- Dreimal denselben Einwand behandeln. Beim dritten Mal ist es ein Nein. Dann lieber sauber verabschieden und eine Wiedervorlage setzen.
- Schlecht über den Wettbewerb reden. Du greifst damit die Entscheidung deines Gegenübers an, nicht den Wettbewerber.
Einwände zählen statt raten
Die meisten Vertriebler wissen nicht, welcher Einwand sie am häufigsten stoppt — sie erinnern sich an den letzten, nicht an den häufigsten. Das ändert sich, sobald du nach jedem Gespräch festhältst, was gekommen ist.
In Vertriebsgym tippst du den Einwand nach dem Auflegen mit einem Klick an. Nach zwei Wochen siehst du schwarz auf weiß, welcher Satz dich am meisten Termine kostet — und kannst genau den überarbeiten, statt am Gefühl zu schrauben.
Die passende Antwort im Gespräch auf dem Schirm haben — statt sie hinterher zu finden.
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